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Studentisches Seminar: Woran erkennt man die strukturale Methode?

Der Strukturalismus ist sicherlich eine der interessantesten und einflussreichsten Denkschulen des 20 Jahrhunderts. Doch seine Rezeption ist für einen Theorieentwurf dieser Größenordnung ungewöhnlich: Aus allen Richtungen fahren schwere Geschütze auf.  Er könne die Geschichte nicht denken, wolle den Menschen abschaffen und die Ökonomie verschweigen, heißt es aus Habermas` Frankfurt und in Jean Amerys Notizen zur Philosophie. Überdies sei er nicht „radikal“ genug und wurde auch bald darauf bereits vom Post-Strukturalismus „überboten“, der den „Ariadnefaden durchtrennte“ (Foucault über Deleuze) und das Denken der Gegenwart im Labyrinth verlorengehen lies, in das der Strukturalismus es hineingeführt hatte.

In heutigen philosophischen Ansätzen wird der Strukturalismus entsprechend oft als eine Philosophie beschrieben, die „noch“ im klassischen Denken verfangen ist und die Konsequenz aus den eignen Prämissen nicht zu ziehen gewillt war. Diese hätte darin bestanden, statt der Analyse der gesellschaftlichen und kulturellen Struktur, ganz auf Diskursanalyse, Genealogie und Dekonstruktion umzuschwenken.

Das studentische Seminar, das im Wintersemester 19/20 von einer Vortragsreihe begleitet wird, setzt sich zum Ziel, den Strukturalismus, seine tatsächlichen Neuerungen und theoretischen Einsatzpunkte systematisch zu rekonstruieren. Mit welcher Methode und welchen theoretischen Mitteln kamen etwa Lévi-Strauss und der frühe Foucault zu ihren erstaunlichen Ergebnissen und was bedeuten sie für den Marxismus und die dialektische Philosophie? Was soll eigentlich der Vorwurf bedeuten, die Geschichte, das Subjekt oder gleich den ganzen Menschen „abgeschafft“ zu haben?! Diese und ähnliche Fragen wollen wir substanziell und sorgfältig beantworten, indem wir im Seminar konzentriert an klassischen strukturalistischen Texten und einschlägiger Sekundärliteratur arbeiten und bei der begleitenden Veranstaltungsreihe mit renommierten Expert*innen diskutieren.

Da wir dem Strukturalismus systematisch auf den Grund gehen wollen, ist das Seminar gerade auch für Einsteiger*innen geeignet. Bei Interesse: Anmeldung per Mail (kern.alex@hotmail.de oder andremoeller@posteo.de) oder in der ersten Seminarsitzung (Freitag, 18.10.19 um 12 Uhr (c.t.) im SH 3.107).

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